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Die Frage nach dem Warum

Wissenschaft ist nicht das erste mit dem Yoga verbunden wird. Spiritualität – mit der Yoga im nicht-sportlichen Kontext häufiger assoziiert wird – rückt erst seit einiger Zeit in den Fokus der realitätsbezogenen und faktenbasierten Wissenschaft. Eine kurze Suche im Internet ergibt kaum Ergebnisse. Oft ist die Rede von „wissenschaftlich bewiesen“, jedoch fehlen Direktlinks oder Angaben zu den Forschungsergebnissen oder den Veröffentlichungen der Forschenden. Warum ist das so?

Spiritualität im Yoga

Für die einen ist der spirituelle Aspekt des Yoga abschreckend, für die anderen ist es das einzig Wahre. Dabei bezieht sich Spiritualität auf das Geistige, aber nicht zwangsläufig auf religiöse Praktiken oder Ansichten.1 Manchmal wird auch eine Verbindung zum Rituellen hergestellt.2 Wenn dich dieses Thema interessiert, empfehle ich dir meinen Artikel zum Thema Yogarituale und Yogaroutinen. Man sollte schon offen für Spiritualität sein um Yoga als ganzheitliche Lebensphilosophie zu begreifen. Trotzdem ist das noch lange nicht alles.

Yoga und Wissenschaft

Kann man Yoga also wissenschaftlich untersuchen, wenn es (auch) um nicht-greifbare, nicht-erklärbare, nicht-rationale Dinge geht? Nun, das ist doch genau der Grund, warum wir Wissenschaft betreiben. Wir möchten Erklärungen finden für Dinge, Phänomene und Krankheiten, die wir bisher nicht oder nicht ausreichend erklären können.

Sucht man im Internet nach Studien, die nicht nur erwähnt werden, sondern auch mit Hinweis auf die tatsächliche Forschung, erhält man nur sehr wenige Ergebnisse. Man stößt hauptsächlich auf Studien, die von Yogaverbänden oder anderen Institutionen der Yogabubble unterstützt wurden. Etwa Studien zu gesundheitlichen Aspekten, oder betreffend des Alltagslebens wie beispielsweise vom Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland.3 Ich sehe diese Art von Studien als einen sehr guten Anfang, da es bedeutet, dass sich auch in der Yogawelt mit der wissenschaftlichen Erklärbarkeit von Yoga auseinandergesetzt wird und das obwohl damit auch einhergeht, dass vermutlich langfristig die ein oder andere doch so schön klingende Theorie widerlegt werden wird. Genau deshalb besteht aber auch eine große Gefahr, wenn Studien hauptsächlich von Institutionen in Auftrag gegeben oder ausgeführt werden, die selbstverständlich ein großes Interesse an positiven und bestärkenden Ergebnisse haben.

Yoga und Geisteswissenschaft

Auch in die Geisteswissenschaften hat es Yoga mittlerweile geschafft. Noch bevor ich selbst Yogalehrerin wurde, habe ich im Rahmen meines Masters in Empirischer Kulturwissenschaft zum Thema Yoga geforscht. Ich wollte wissen was deutsche Yogalehrerinnen dazu veranlasste diesen Beruf zu ergreifen. Ich interviewte dafür im Rahmen einer qualitativen Forschung fünf ganz unterschiedliche Yogalehrende. Diese hatten alle erst einmal andere Gründe Yoga zu lehren und noch vielfältigere Wege wie sie selbst zum Yoga gekommen waren. Gemeinsam war jedoch, dass es immer um einen gesundheitlichen Aspekt (körperlich und/oder seelisch) ging.4

Yoga hat viele geisteswissenschaftliche Anknüpfungspunkte. Allen voran der Alltag an sich. Aber auch Traditionen, Rituale und politischere Themen wie der Kulturtransfer und die kulturelle Aneignung können und sollten erforscht werden. Letztlich lehre auch ich eine Lebensphilosophie, die nicht Teil meiner Ursprungskultur ist. Ich muss und will also vorsichtig sein. Jede*r Yogalehrende hat natürlich eine andere Herangehensweise, um der Kultur gerecht zu werden. Meine ist es mein im Studium erworbenes Wissen dazu zu verwenden, um meine eigene Yogapraxis und das was ich lehre geisteswissenschaftlich immer wider zu hinterfragen und ganz deutlich zu machen, dass ich eine westliche Form des Yogas unterrichte und lebe. Aus diesem Grund sehe ich mich als eine Art Übersetzerin zwischen den Yogakulturen5 und der deutschen Kultur.

Wirkt Yoga?

Wenn wir eines mit Sicherheit schon wissen, dann das Yoga wirkt. Es stärkt die Muskeln, sorgt für mehr Flexibilität, sorgt für weniger Stress im Alltag und wirkt beruhigend auf das Nervensystem. Nur um ein paar konkrete positive Effekte zu nennen. Die große Frage, vor allem bei gesundheitlichen Themen, bleibt aber die Frage nach dem Warum.

Ich fände es fantastisch, wenn in Zukunft noch viel mehr (Neuro-)Wissenschaftler, Psychologen und Ärzte an Yoga ein wissenschaftliches Interesse entwickeln würden. Und wenn herausgefunden wird, dass vieles einfach ein Placeboeffekt ist, dann ist das auch in Ordnung. Das wichtigste ist schließlich, dass es hilft!

Hast du eine interessante Studie zu Yoga gelesen? ich würde mich freuen, wenn du sie unter kontakt@stefanieheiderycb.de mit mir teilst! 🙂

1 Duden | spirituell | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft letzter Zugriff: 27.04.2022

2 spirituell – Schreibung, Definition, Bedeutung, Synonyme, Beispiele | DWDS letzter Zugriff: 27.04.2022

3 BDY | Studien zu Yoga letzter Zugriff: 27.04.2022

4 Heider, Stefanie: Yogalehrende in Deutschland. Ein Beruf zwischen Lebensunterhalt und Lebensqualität.
In: Hinrichsen, Jan; Scheer Monique (Hg.): Forme(l)n des guten Lebens. Ethnografische Erkundungen alltäglicher Aushandlungen von Glück und Moral. S.47-59. TVV-Verlag, 2019.

5 für mehrere Kulturen ist Yoga relevant, sodass ich hier den Plural wähle. Außerdem hat sich Yoga selbst in viele verschiedene Richtungen entwickelt, sodass auch deswegen ein Plural genutzt werden sollte.

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