Vertrauen oder Kontrolle – was ist besser?

Meine Freunde würden mir wohl ihr Kind anvertrauen, aber wenige würden sich trauen in eine Chilli zu beißen, würde ich behaupten sie sei nicht sooooo scharf. Sie vertrauen mir, aber haben auch gelernt, dass ich sehr scharfes Essen liebe. Also lieber nur ein ganz winziges bisschen der Chili abbeißen und kontrollieren, ob meine Aussage stimmt. Das ist nun ein sehr risikoloses Beispiel verglichen mit Entscheidungen, die wir täglich zwischen Vertrauen und Kontrolle treffen.

Wem vertraust du?

Vertrauen ist ein erlerntes Verhalten. Als Kinder sind unsere Eltern die wichtigsten Bezugspersonen, ihnen vertrauen wir. Sie sorgen für uns und möchten unser Bestes. Leider wollen das nicht alle Menschen in unserem Leben. Wir lernen also selektiv zu werden, zu kontrollieren. Trotzdem gibt es Institutionen und Berufsgruppen, die auf Grund ihrer autoritären Rolle in der Gesellschaft mehr Vertrauen genießen. Wahrscheinlich kann mir aber jede*r mindestens eine Situation nennen in der die Rechnung nicht aufging. Elternteile, die nie da waren. Der Arzt/ die Ärztin, der/die eine falsche Diagnose stellte. Der Partner/ die Partnerin, der/die uns betrog. Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es die Menschenkenntnis, die uns einen ersten Hinweis gibt, ob uns jemand zusagt oder nicht. Aber was ist mit den Gedanken? Können wir ihnen vertrauen? Wir haben sie ja selbst. Schauen wir uns an warum es sich lohnt NIE blind zu vertrauen.

Die Legende von Popocatépetl und Iztaccíhuatl

Selbst wenn man nichts mit Mexiko zu tun hat, hat man vermutlich schon mal den Namen Popocatépetl gehört. Wenn nicht: das ist ein Vulkan. So und was hat jetzt ein mexikanischer Vulkan mit Vertrauen zu tun und was bitte ist Iztaccíhuatl? Das linke Bild zeigt den Vulkan Popocatépetl, der wie der Rauch es verrät, auch ziemlich aktiv ist. Das rechte Bild zeigt Iztaccíhuatl, einen Berg und eine Prinzessin. Prinzessin? Nein, das ist kein Suchbild. Es ist der Einstieg zu einer Legende.

Der Legende nach war Popocatépetl ein aztekischer Krieger, der sich in die Prinzessin Iztaccíhuatl verliebt hatte. Auch die Prinzessin soll in den Krieger verliebt gewesen sein. Der Krieger sollte sich jedoch erst beweisen und erfolgreich eine Schlacht bestreiten bevor er die Prinzessin heiraten durfte. Er zog in die Schlacht. Nun war Popocatépetl nicht der einzige, der in die Prinzessin verliebt war. Ein Rivale überbrachte Iztaccíhuatl die falsche Nachricht, dass ihr Geliebter in der Schlacht gefallen sei. Iztaccíhuatl glaubte die Nachricht und starb an ihrem Leid über den Verlust ihres Geliebten. Als kurz darauf derselbige erfolgreich aus der Schlacht zurückkehrte, überbrachte man ihm wiederum die Nachricht, dass Iztaccíhuatl gestorben war. Popocatépetl, schockiert über den Tod seiner geliebten Prinzessin, brachte die Tote auf einen Berg und kniete vor ihr nieder um ihren ewigen Schlaf zu bewachen. So entstanden die beiden Berge (Iztaccíhuatl sieht tatsächlich aus wie eine liegende Frau, vor allem mit Schnee bedeckt). Popocatépetl, der seine Iztaccíhuatl voller Leidenschaft und Liebe im Herzen (= das Innere des Vulkanes) trägt, brennt (raucht) heute noch immer für seine geliebte Prinzessin und bewacht sie an ihrer Seite kniend.

Blindes Vertrauen

Wie diese dramatische Geschichte zeigt, ist blindes Vertrauen im schlimmsten Falle tödlich. Nachrichten und Erzählungen ohne eigene Überprüfung hinzunehmen, kann dazu führen, dass wir Realitäten erschaffen, die nicht auf Fakten beruhen. Leider passiert das aber ziemlich oft. Auf Grund von Vorerfahrungen spielt unser Gehirn uns eine mögliche Geschichte aus. Diese Geschichte ist bei negativen Vorerfahrungen vermutlich auch eher negativer Art. Du fühlst dich schlecht, traurig, hast Angst. Dabei ist das überhaupt nicht die Realität. Du sorgst dich um etwas, das jetzt gerade überhaupt nicht eingetreten ist, aber alleine der Gedanke daran, bestimmt deine Gefühle. Diese Gedanken sind der Rivale aus der Legende. Sie versuchen dir einzureden, dass etwas Schlimmes passiert ist (oder passieren wird). Wenn du nun diese Gedanken nicht hinterfragst und ihnen blind vertraust, dann geht es dir wie Iztaccíhuatl. Du verwirfst die Idee, dass es einen guten Ausgang der Situation gibt.

Vertrauen und Kontrolle

Immer wenn du in so einer „Die Welt wird untergehen“-Situation bist, möchte ich dich dazu ermutigen einfach tief durchzuatmen und vielleicht mit Hilfe deines Journals oder einer Meditation herauszufinden, ob das was du fühlst wirklich auf reinen Fakten beruht oder auf blindem Vertrauen auf irrationalen Gefühlen. Alles was wir fühlen hat einen Sinn. Angst zum Beispiel ist ein sehr wichtiger und lebenserhaltender Schutzmechanismus. Überlege aber, ob du gerade wirklich vor dem Tiger wegrennen musst, oder ob der Tiger nur in deinen Gedanken existiert. Vertraue also auf deine Gedanken und Gefühle als Ratgeber und unterziehe sie einer objektiven Kontrolle. So stellst du sicher, dass deine Handlungen sowohl auf Vertrauen, als auch auf (gut gemeinter) Kontrolle beruhen.

Consent Management Platform von Real Cookie Banner